„Murder inna Dancehall“

Informationsveranstaltung zu Homophobie und Sexismus anlässlich des Chiemsee Reggae Summers.

Freitag, 13. August 2010 – 19:00 Uhr im Infoladen Salzburg

Vom 27. bis 29. August wollen wir am Rande des Chiemsee Reggae Summers auch mit einem Infostand präsent sein. Für Samstag, den 28.08. ist eine Protestkundgebung angedacht. Holt euch laufend neue Infos und unterstützt die Aktion:  http://rabatz-buendnis.net
„Murder inna Dancehall“ Veranstaltungsflyer

Wie schon in den letzten Jahren macht das Chiemsee Reggae Summer mit offen homophoben Künstlern auf sich aufmerksam. 2008 und 2000 Beeny Man (I‘m dreaming of a new Jamaica, come to execute all the gays“)¹, 2007 Capleton („Fire bun batty bwoy!“ „Das Feuer möge den Schwulen verbrennen!“)², 2000 und 2004 Buju Banton, der im Juli 2004 auf Jamaika an einem schwulenfeindlichen Übergriff persönlich beteiligt war³ und 2009 t.o.k. („from dem a par inna chi chi man car Blaze di fire mek we bun dem!!!! [Bun dem!!!!] From dem a drink inna chi chi man bar Blaze di fire mek we dun dem!!!! (Dun dem!!!!)“ „Sollten sie zusammen in einem Schwulen-Auto sitzen, Entfesselt das Feuer, lasst sie uns verbrennen! [verbrennt sie!] Sollten sie zusammen in einer Schwulen Bar trinken Entfesselt das Feuer – lasst sie uns fertig machen! [fertig machen]“)⁴.

Für das diesjährige Festival wurde Sizzla angekündigt. Sizzla hat zwar offiziell den sogenannten Reggae Compassionate Act unterzeichnet, welcher aussagt, dass sich alle Unterzeichner_innen von homophoben Inhalten distanzieren, aber in einem Interview der Sunday Mail , publiziert am 28. Februar 2010, erklärte Sizzla: „I did not sign any papers, it is just an agreement I have with certain promoters – it is their system. I cannot stop singing those songs because there is a message in those songs which people should hear.“ (in etwa: „Ich habe keine Dokumente unterzeichnet, es ist lediglich eine Vereinbarung mit bestimmten Organisatoren – es ist deren System. Ich kann nicht aufhören, diese Songs zu singen, da in ihnen eine Botschaft enthalten ist, die die Leute hören sollten.)⁵.

Mit diese Songs meint Sizzla z.B. Nah Apologize  aus dem Jahr 2005. In dem Songtext, der auf der Homepage von Sizzla abgerufen werden kann⁶, heißt es unter anderem, „Rastaman don’t apologize to no batty-boy / if yuh diss King Selassie mi gun shot yuh bwoy“ (in etwa: „Ein Rastaman entschuldigt sich nicht bei einer Schwuchtel, denn wenn ihr King Selassi durch den Dreck zieht, werde ich euch erschießen“).

Das zeugt von der Wirkungslosigkeit des Reggae Compassionate Act. Viele Artists, die den RCA signiert haben, fielen danach wieder durch homophobe Äusserungen oder Distanzierung vom RCA auf.

Die Veranstalter_innen kommentieren die Bekanntgabe von Sizzla wie folgt:„Wir sind für Kunstfreiheit, wir sind für Meinungsfreiheit, den Respekt vor anderen Kulturkreisen und wir sind gegen verfassungswidrige Zensurbestrebungen[…]“⁷.
Diese Aussage zeugt entweder von krasser politischer Dummheit und der Ignoranz gegenüber menschenverachtendem Hass oder versucht bewusst Homophobie durch den Deckmantel einer falsch verstandenen Meinungsfreiheit zu schützen.

Neben Sizzla wurde auch noch Anthony B („Zwei Millionen Rastas können nicht durch Frankreich gehen, aber zwei Millionen Schwule können es. Das ist Babylon! Wenn nur 100 Rastas auf die Strasse gehen, werden sie verprügelt. Die Schwulen gehen ungehindert… Denn Frankreich ist auch ein «Battyman-Country»“)⁸ von den Veranstalter_innen eingeladen.

Somit dürfte klar sein, dass weder unseren letztjährigen Forderungen⁹ nachgekommen wurde, noch dass diese zum Nachdenken angeregt haben. Auch unsere anderen Forderungen nach einem Konzept zur umfassenden Information im Vorfeld und für eine qualifizierte Unterstützung Betroffener sexualisierter Gewalt zu entwickeln und der Schaffung von Freiräumen für Frauen, die dringend aufgrund diverser Fälle von Vergewaltigungen und Übergriffen nötig wären, scheint bei den Veranstalter_innen auf taube Ohren zu stoßen. Dieses bewusste Verschweigen und Wegschauen zeugt von demonstrativem Desinteresse und trägt zu einem Klima bei, in dem diese Übergriffe leichter möglich sind.

Dazu wollen und werden wir nicht schweigen! Wir fordern alle auf und sich an den Protesten gegen Homophobie und Sexismus und den Umgang der Organisator_innen des crs damit zu beteiligen und selbst aktiv zu werden.


¹ Song: damn; Album: Trendsetter; Erscheinungsjahr: 2000; Label: Shocking Vibes
² Song: caan tan yah; Album: Still Blazin; Erscheinungsjahr: 2002; Label: Vp
³ http://www.guardian.co.uk/world/2004/jul/17/gayrights.arts
⁴ Song: chi chi man; Album: My Crew My Dawgs; Erscheinungsjahr: 2001; Label: VP Records
http://www.queer.de/detail.php?article_id=11835
http://www.judgementyard.org/index.php?pageID=177 (offizielle website von Sizzla)
http://www.chiemsee-summer.de
http://www.armageddontimes.ch/Artist/Interview/I_AnthonyB.html
⁹ Keine Einladung homophober, sexistischer Künstler; Auseinandersetzung mit Homophobie im Reggae

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