Was am 24. Juli (nicht) passierte

Bericht über den 1000-Kreuze-Marsch und die emanzipatorischen Aktivitäten dagegen

Wie den reaktionären AbtreibungsgegnerInnen in Salzburg ordentlich in die Suppe gespuckt wurde.

Wir dokumentieren einen Bericht dazu, gefunden auf http://austria.indymedia.org/node/21013

Für den 24. Juli 2011 planten reaktionäre AbtreibungsgegnerInnen, in Salzburg einen sogenannten 1000-Kreuze-Marsch zu veranstalten.Laut einem von den OrganisatorInnen verbreiteten Flyer handelte es sich dabei um „Eine gemeinsame Veranstaltung von EuroProLife, HLI/Helpers Europe, Human Life International Austria, Jugend für das Leben Österreich, die Gebetsinitiative Salzburg, Lebenszentrum München und Lebenszentrum Salzburg“ Weitere Organisationen mit frauenfeindlicher Agenda wie European Pro Life Doctors und der Bund Katholischer Ärzte, sowie die BetreiberInnen der Online-Plattform lebensrecht.de bewarben die Veranstaltung im Internet. Diese Gruppen haben eine christlich-fundamentale, schwer rechte Einstellung und eine frauenfeindliche Praxis gemeinsam. Nach ihren Vorstellungen sollen Frauen so lange unter Druck gesetzt werden, bis sie darauf verzichten, über den eigenen Körper bestimmen zu wollen. Die Entscheidung, ob eine Frau ein Kind bekommt, läge, wenn es nach ihnen ginge, nicht bei der Frau selbst, sondern bei ihnen als selbsternannter reaktionär-moralischer Instanz.

TeilnehmerInnenzahl und Details Fundis

Die Fundis hatten geplant, um 16:15 Uhr am Domplatz, auf dem schon die Tribüne für die alljährlichen Jedermann-Aufführungen aufgebaut war, mit der Ausgabe der Marschutensilien, nämlich großen weißen Holzkreuzen, zu beginnen. Wie bereits in den letzten Jahren scheiterten sie an ihrem Anspruch, 1000 KreuzträgerInnen zu versammeln. Nach Angaben von kath.net fanden sich nur ca. 50 TeilnehmerInnen ein, was weniger als halb so viel war wie in den vergangenen Jahren. Anwesend waren neben Joannes Bucher von HLI, Leiter des Salzburger Lebenszentrums auch Wolfgang Hering von Euro Pro Life München.

Danach wollten die Anti-Choice-Meute in einer „anschl. friedliche[n] Prozession“ zum Landeskrankenhaus in Mülln ziehen, um dort gegen die gynmed-Station anzubeten, in der Frauen unter medizinisch und psychologisch professioneller Betreuung Schwangerschaftsabbrüche durchführen lassen können.

Die AbtreibungsgegnerInnen zogen vorerst Richtung Mozartplatz, entgegen ihrer üblichen Gewohnheit Richtung Festspielhaus zu gehen. Am selben Tag fand auch die Festspieleröffnung statt, deswegen wäre auf der geplanten Route mit mehr medialer Aufmerksamkeit zu rechnen gewesen, aufgrund der vor dem Festspielhaus herumlungernden Kamerateams. Die Routenänderung hatte wohl mit der Anwesenheit von ca. 40 Pro-Choice-Aktivist_innen zu tun, die sich zwischen Auftaktkundgebung der Fundis und Festspielhaus an einer günstig gelegenen Engstelle eingefunden hatten.

Am Mozartplatz kam es bei einem Blockadeversuch zur Festnahme eines Aktivisten durch überaus brutal agierende, sichtlich nervöse und mit der Situation vollkommen überforderte Salzburger Bullen. Das führte dazu, dass sich Passant_innen mit den Aktivist_innen solidarisierten und die Bullen unter anderem auf italienisch beschimpften.

Die ChristInnenfundis drehten daraufhin um und versuchten durch die Altstadt das Krankenhaus zu erreichen, was in der Judengasse durch die Blockade von ca. 20 Personen zumindest ordentlich verzögert werden konnte.

Mittlerweile hatten die Salzburger Bullen genügend Verstärkung (wie bekannt wurde auch aus den Umlandgemeinden) herangekarrt um den ChristInnenzug halbwegs sicher auf einer offenbar geänderten Route, nämlich durch die Müllner Hauptstraße statt teilweise die Salzach entlang, zum Landekrankenhaus begleiten zu können.

Beim Krankenhaus allerdings dann die nächste Negativüberraschung für Bullen und ChristInnen: 30-40 ProChoice-Aktivist_innen hatten sich bereits eingefunden und so blieb den ChristInnen nix anderes über als in einem Anstand von etwa 150 Metern vor der (wie sie es bezeichnen) „Tötungsstätte“, von feministischen Parolen beschallt, niederzuknien.

Nach dem ganzen Spuk gings zurück Richtung Innenstadt, besser gesagt Richtung Staatsbrücke. Bei der geplanten „Trauerzeremonie auf der Staatsbrücke“ sollte – für die Anti-Choice-Leute selbstverständlich – um Zellverbindungen ohne zentrales Nervensystem getrauert werden, und nicht um die Frauen, die weltweit noch immer an den Folgen illegalisierter und deshalb heimlich und unprofessionell durchgeführter Schwangerschaftsabbrüche sterben.

Der Anti-Choice-Zug wurde von den Bullen, denen das Ganze offensichtlich zu riskant erschien, auf eine FußgängerInnenbrücke umgeleitet. So der Makartsteg komplett abgeriegelt und die ChristInnenfundis standen vollkommen alleine und ungehört mitten drauf und warfen ihre Blumen ins Wasser.

Laut Meldungen auf kath.net und anderen Sites wurde daraufhin der Marsch abgebrochen, auf die Messe in einer Nahe gelegenen Kirche verzichtet und die auswärtigen ChristInnen mit Polizeibegleitung zum Bahnhof gebracht.

Wie mittlerweile bekannt geworden ist, dürfte außerdem parallel zur ganzen Innenstadt-Action das Lebenszentrum (Sitz der Veranstalter des 1000 Kreuze Marsches) entglast worden sein.

Zusammenfassend können wir sagen, dass die über 50 emanzipatorischen Menschen, die blockiert und gestört haben, und sich nicht von übernervösen Bullen einschüchtern ließen, an diesem Tag einiges erreicht haben. Erstens wurden öffentlich feministische Forderungen bewusst gemacht. Zweitens wurden keine Beterei direkt vorm Krankenhaus und kein Rosenwerfen mitten auf der prestigeträchtigen Staatsbrücke (viel Verkehr: Autos, Busse, Fußgänger_innen) zugelassen und ein vorzeitiger Abbruch erzwungen. Fast auf dem ganzen Weg wurden die AbtreibungsgegnerInnen von Aktivist_innen begleitet, die mit feministischen Parolen laut ihren Standpunkt klarmachten. Außerdem konnte gezeigt werden, dass militanter Widerstand gegen anti-emanzipatorische Zustände und Arschlöcher möglich ist, auch hier, im ansonsten sehr ruhigem Hinterland.

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