Rabatz-Bündnis solidarisiert sich mit antifaschistischen Jugendlichen in Limbach-Oberfrohna

Limbach-Oberfrohna. Seit antifaschistisch engagierte Jugendliche einen Verein gegründet haben um ein alternatives Jugendzentrum zu schaffen, haben Übergriffe von Neonazis quantitativ wie qualitativ zugenommen. Die Stadt begegnet den Vorfällen mit Ignoranz und lässt die Antifaschist_innen ihre Willkür durch den Repressionsapparat spüren.

Ende 2008 fanden sich mehrere Jugendliche in Limbach-Oberfrohna zusammen, um eine Plattform für politische Bildung und ein Angebot für alternative Kultur zu schaffen – der Verein „Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.“ wurde gegründet. Da sich diese Jugendlichen auch antifaschistisch engagieren, sehen sie sich seither mit massiven Überfällen von Neonazis konfrontiert. Nazihorden ziehen „Sieg-Heil“-Rufe grölend durch die Stadt und fühlen sich dabei pudelwohl, den alternativen Jugendlichen entgegnen sie immer wieder mit Körperverletzungen und Sachbeschädigungen – der „Provinzfürst (Oberbrügermeister Hans-Christian Rickauer, CDU) sieht weg und beschäftigt sich lieber mit dem Ausbau von Prestige-Objekten“¹. Seit der Eröffnung des Freiraums „Schwarzer Peter“ wurde dieser immer wieder von Neonazis angegriffen, Scheiben wurden eingeschlagen und Türen eingetreten. Teilweise standen auch Gruppen bestehend aus „20-30 Nazis vor dem Infoladen und drohten einzustürmen“², nach Hause gehende Jugendliche wurden „von größeren Nazigruppen abgefangen“³. Die Vermieterin hatte irgendwann die Schnauze voll und kündigte den Mietvertrag, der Verein stand auf der Straße, die Jugendlichen hatten keinen Ort mehr zum Treffen. Aber sie machten weiter und wollten ein „Stay-Rebel“-Festival veranstalten, fanden aber keine Räume dafür – auch begründet darin, dass potenzielle Vermieter_innen Angst vor Angriffen der Nazis hatten. Letztendlich entschlossen sich die Jugendlichen ein Objekt zu kaufen, um unabhängig von Vermieter_innen zu sein. Das Projekt hieß Doro40 – voran ging es allerdings nur langsam, es gab keine Förderungen durch die Stadt (diese glänzte eher durch zahlreiche Restriktionen) und auch Übergriffe seitens der Nazis ließen nicht nach. Eine Elterninitiative gründete schließlich im Februar 2010 ein basisdemokratisches „Buntes Bürgerforum Limbach-Oberfrohna für Demokratie und Toleranz“, in dem sich auch einzelne Vereinmitglieder_innen engagieren. In Konkurrenz hierzu meinten die Stadtoberen ebenfalls ein „Bürgerbündnis für Demokratie und Toleranz – gegen jeden Extremismus“ gründen zu müssen, lächerlich in Anbetracht dessen, dass auch die NPD zum Gründungstreffen eingeladen wurde („Bei einer weiteren Versammlung wurde die NPD neben der Linken rausgeworfen“⁴). Im September veranstalteten die Jugendlichen wieder ein „Stay-Rebel“-Festival, mit Erfolg – „zahlreiche Interessierte [fanden sich] bei zahlreichen Bands, Vorträgen, Infoständen, einer Feuershow und weiteren Angeboten zusammen“⁵. Ende 2010 gipfelte die anhaltende neonazistische Gewalt, nach einer Auseinandersetzung der Neonazist_innen mit linken Jugendlichen, in einem Brandanschlag auf die Doro40 – zum Glück gab es keine Verletzten, der Schaden betrug rund 36.000€. Mit diesem Ereignis „musste [auch] der Oberbürgermeister zugeben, dass wir doch [..] ein Problem mit Nazis haben“⁶. Von Seiten der Stadt wurde ein Präventionsbeauftragter eingesetzt, der durch kluge Sprüche und mit der Idee Neonazis und Antifaschist_innen an einen Tisch zu setzen um über Konflikte zu sprechen glänzt. Das diese Ereignisse einen herben Rückschlag bedeuteten ist klar, heute sind sich die Jugendlichen einig, sie wollen weitermachen und einen alternativen Freiraum, den sie „Schwarzer Peter reloaded“ nennen, eröffnen. Hierzu wurden ihnen Räume von einer Wohlgesonnenen zur Verfügung gestellt, die sie für den Verein auch schon länger nutzen. Am Pfingstfreitag diesen Jahres kam es hier zu einem Vorfall, bei dem vorbeiziehende Nazis Rufe wie „Wir fackeln euch ab!“⁷ skandierten, am Abend desselben Tages griffen kleinere Gruppen von Neonazis das Haus an; die Jugendlichen setzten sich zur Wehr und verbarrikadierten die Fenster. Am darauf folgenden Pfingstsamstag „griffen [nach einer Auseinandersetzung] etwa 20 vermummte Rechtsextreme das Haus mit Flaschen und Steinen an. Minutenlang versuchten sie, in das Gebäude einzudringen. Als die Polizei eintraf, flüchteten sie.“⁸ Der anrückende Repressionsapparat kümmerte sich jedoch kaum um die Nazis, sondern „stürmte [mit] ein[em] Großaufgebot der Polizei das Haus und nahm die linken Jugendlichen vorübergehend fest.“⁹ Noch vor Abschluss der Hausdurchsuchung veröffentlichten die Bullen eine „Pressemitteilung, in der sie von umfassenden Waffenfunden berichteten: »Pyrotechnik, Teleskopschlagstöcke, Schlagringe sowie Schleudern für Knallgeschosse, Stahlkugeln und Sturmhauben«. Zudem schrieb die Polizei in ihrer Pressemeldung: »Ein eingesetzter Sprengstoffsuchhund fand mehrere Flaschen und Gläser mit Substanzen, die sichergestellt wurden, unter anderem 400 ml Schwarzpulver und 400 ml Kaliumnitrat.«“¹⁰. Der Sprengstoffvorwurf und der von „linker Selbstjustiz“ geisterte von nun an durch die Medien. Mittlerweile musste sich die Polizei jedoch korrigieren: „Nach der nun abgeschlossenen Untersuchung habe es sich nicht um Schwarzpulver gehandelt, sondern um Quarzsand mit kohlenstoffhaltigen Anhaftungen, teilte die Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge […] mit. Bei einem weiteren Stoff habe es sich um Kaliumnitrat gehandelt. Die vielseitig einsetzbare Substanz sei aber frei erwerbbar und nicht verboten. Nach Angaben der Beschuldigten war der Quarzsand für ein Berufsschulprojekt vorgesehen.“¹¹. Soweit dazu. Als die Jugendlichen den Infoladen nun eröffnen wollten, kam ihnen 2 Tage vor Eröffnungsdatum am 08.07.11 ein Brief zuvor. Ein Brief an „den Besitzer des Hauses von der Bauordnungsbehörde der Stadt, indem […] eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen wurde.“¹². Der Verein lässt sich von solchen bürokratischen Hindernissen nicht einschüchtern und veranstaltete vor dem Haus eine Kundgebung (abermals begleitet von Einschüchterungsversuchen von Neonazi-Seite) unter dem Motto „Heute ist nicht alle Tage, wir eröffnen, keine Frage!“.

Die Ereignisse in dieser Kleinstadt zeigen, wie wichtig antifaschistisches Engagement ist, auch und vor allem in der Provinz, wo es oft keine sonderlich ausgeprägten antifaschistischen Strukturen gibt. Das rabatz-Bündnis solidarisiert sich aus diesem Grund mit den Jugendlichen die sich der neonazistischen Hetze widersetzen und sich nicht mit dem rassistischen Normalzustand einer deutschen Provinz abgeben.

Den rassistischen Konsens durchbrechen
Keine Homezone für Nazis

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1-6 Limbacher Zustände, http://schwarzerpeter.blogsport.de/2011/05/15/limbacher-zustaende/
7-10 Bei Anruf Hausdurchsuchung, http://schwarzerpeter.blogsport.de/2011/07/07/bei-anruf-hausdurchsuchung/
11 Polizei korrigiert sich, http://schwarzerpeter.blogsport.de/2011/08/02/polizei-korrigiert-sich/
12 Pressemitteilung, http://schwarzerpeter.blogsport.de/2011/08/11/pressemitteilung-[..]-reloaded/

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