„The Factory of Clandestines“

Dokumentation über die Situation von TunesierInnen auf der Flucht nach Italien

Ein Filmabend, der die Flucht von tausenden   TunesierInnen nach Europa und ihre aktuelle   Lebenssituation behandelt. Dazu werden Leute eines   italienischen Filmprojekts zu uns kommen und   gemeinsam mit uns ihren  Film sehen und   diskutieren.

Montag, 26. 9. 2011. Ab 19h im Infoladen, Lasserstraße 26. Eintritt frei

Mohamed Bouazizi, 26, Informatikstudent, war einer von vielen TunesierInnen, die aufgrund anhaltender Inflation und schlechter Zukunftsperspektiven – verzweifelt und wütend über Ben Ali’s korrupte und autoritäre Staatsführung – ums Überleben gekämpft haben. Um sich über Wasser zu halten, verkaufte Bouazizi Lebensmittel auf den Straßen seiner Heimatstadt, jedoch ohne dafür eine gültige Lizenz zu besitzen. Als am 17. Dezember 2010 Ben Ali’s Schergen seine Waren konfiszierten und ihn noch dazu ohrfeigten, reichte es Bouazizi. Er übergoss sich mit Benzin und zündete sich vor einem Regierungsgebäude an und wurde somit zum Märtyrer, zum Symbol für den Widerstand der tunesischen Bevölkerung gegen Ben Ali’s Diktatur. Sein Tod entfachte eine landesweite Revolution, in der Hoffnung, den autoritären Staatsführer aus dem Land zu jagen. Am 14. Januar 2011 war es dann tatsächlich so weit. Ben Ali floh mit all seinem Hab und Gut in sein Exil nach Saudi-Arabien, doch die langersehnte Freiheit brachte nicht den langersehnten Wohlstand. Straßenkämpfe zwischen pro-islamistischen und laizistischen Gruppen waren an der Tagesordnung und Flüchtlingsströme aus dem benachbarten Libyen brachten das Land völlig zum Erliegen. Für viele, meist junge TunesierInnen ein Grund mehr, ihr Glück in Europa zu versuchen. Auf abenteuerlichste Weise das Mittelmeer überquerend, flüchteten über 20.000 TunesierInnen nach Italien, um genauer zu sein, auf die 6.000-EinwohnerInnen-Insel Lampedusa. Proteste von namhaften Menschenrechtsorganisationen verhinderten eine Massenabschiebung. Viele von ihnen erreichten niemals ihr gesetztes Ziel, sie ertranken oder verschwanden spurlos in den Wogen des Mittelmeeres.

TELLIMMAGINI? (Bologna) und INSU^TV (Napoli), zwei unabhängige VideoaktivistInnengruppen in Kollaboration mit AL-SIRAT (Bologna), einer autonomen Anlaufstelle für MigrantInnen, begleiteten die Neuankömmlinge auf ihrer Reise durch Italien und dokumentierten in Form von 3 Videos ihren Leidensweg. Von der Ankunft in Lampedusa bis nach Ventimiglia, einer Grenzstadt an der italienisch-französischen Grenze berichten die Aufzeichnungen vom Traum der TunesierInnen, eine gerechte Arbeit zu finden, vom Wunsch, frei in Europa reisen zu können, vom Zorn über die italienischen Medien, die, von Italiens Ministerpräsidenten und Mediengiganten Silvio Berlusconi kontrolliert, keine menschlich korrekte Berichterstattung zuließen und von der Verzweiflung über die Ungültigkeit ihrer, von der italienischen Regierung ausgestellten, 6-monatigen Aufenthaltsbewilligungen für humanitäre Zwecke außerhalb der Grenzen Italiens. Die meisten Bewilligungen laufen am 16. Oktober 2011 ab. Wer bis du diesem Zeitpunkt keine Arbeit gefunden hat, wird seine Heimreise antreten müssen oder abgeschoben. Ein wahrer Wettlauf gegen die Zeit!

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