Fundamentalismus macht krank – IMMER UND ÜBERALL

Wir dokumentieren einen Text aus „Termit – linke emanzipatorische Flugschrift mit Terminen“, Mai 2013.

Triggerwarnung und Contentwarnung: Sexismus, R*peculture, Sl*tshaming und Homophobie

Am 29.Juni 2013 werden sich tausend Menschen treffen um christlich-fundamentalistische Ideologie zu konsumieren. Dieses Treffen wird als eins DER Open-Air Ereignisse diesen Sommers beworben und findet eine dementsprechende Resonanz in der Gesellschaft.1 Die Besucher_innen können sich auf Verschwörungstheorien (inklusive (strukturellen) Antisemitismus und Antiamerikanismus), Homophobie, Sexismus, hirnloses Jesus-/Gottabgefeiere vorbereiten. Allerdings wird den Meisten gar nicht auffallen, auf was sie sich da eingelassen haben. Für diese Personen handelt es sich einfach nur um ein Konzert von Xavier Naidoo. Allerdings steht diese Person für angeführte Themen und thematisiert mindestens eins davon konsequent in fast jedem Lied.


Über Xavier Naidoo wird auf der eigenen Homepage geschrieben: „Er polarisiert, er fasziniert, er löst Diskussionen aus.“2 Das stimmt! Der Müll, den er verbreitet muss einfach dazu führen, dass sich Personen in min. zwei Gruppen/Lager aufteilen: Verblendete christlich-fundamentalistische bzw. bürgerliche bzw. rechte Pfeifen3, die von ihm fasziniert sind und emanzipatorische Personen (wie uns), die einfach nur angewidert und genervt von ihm sind. Die daraus entstehende Diskussion bleibt unausweichlich! Die mediale Diskussion über das von ihm geschriebene Lied „Wo sind“ ist das aktuellste und sicherlich auch eins der Beispiele seiner widerlichen Ideologie.4 So setzt Xavier Naidoo (Ritual-)Morde an Kindern mit Schwangerschaftsabbrüchen, dem Selbstbestimmungsrecht jeder Frau*, gleich. Außerdem lebt er, in rechtspopulistischer Manie®, seine Gewaltphantasien gegenüber Kindesvergewaltigern5 (es geht übrigens ausschließlich um männlich sozialisierte Kinder) aus und reproduziert patriarchale6 Strukturen, in dem er nach starken Männern sucht, die alles wieder ordnen können. Zusätzlich dazu folgt der faschistisch anmutende Ruf nach einem Führer, der wieder aufräumen soll.7 Im nächsten Satz propagiert er Hass gegen Homosexuelle und setzt Schwule8 mit Kindesvergewaltigern gleich. Zu diesem Punkt kam eine sogenannte Rechtfertigung9, allerdings relativiert diese den Text in keinster Weise und ist nur ein Versuch der Verschleierung seiner Homophobie. Der Fundamentalismus zeigt sich auch in der Häufigkeit, in der Gott oder anderes christliches Zeug thematisiert wird, und vor allem dadurch, dass es mit allem in Verbindung gebracht wird, egal ob passend oder nicht. „Rettung naht gewiss aus einem hohen Haus“10 prophezeit er uns. Im Kontext seiner anderen Lieder, in denen er u.a. davon spricht, dass alles besser ist, wenn himmlische Zustände11 auf der Erde herrschen, kann davon ausgegangen werden, dass in diesem hohen Haus eingewisser Gott lebt. In einem anderen Lied singt er:„Liebe ist real, so real wie Höllenqualen“12. Dementsprechend können wir davon ausgehen, dass Naidoo an die Hölle glaubt. Ein weiterer Beweis, dass er ein fundamentalistischer Christ ist. Wer Scheiße propagieren möchte, der muss das ordentlich machen und so übt Xavier Naidoo sich auch (ausführlich) als Verschwörungstheoretiker. Und lässt (strukturellen13) Antisemitismus14 und Antiamerikantismus15 dementsprechend nicht aus. In „Deutschland ist noch nicht verloren“ singt er: „Eure Gifte eure Waffen verursachen nur Magenkrämpfe.“ Fast so, als ob nur eine unsichtbare Macht und nicht etwa die Normalbevölkerung so etwas hat16 und damit Mist baut17. Struktureller Antisemitismus ist kein Einzelfall bei Naidoo. Diese, für strukturellen Antisemitismus typischen, undefinierten Mächte kommen auch in „Bist du aufgewacht“ vor, wo von „Ihnen“, die uns an allem Guten hindern bzw. „dir“ Steine in den Weg legen gesprochen wird. In „Raus aus dem Reichstag“ gibt er den „deutschen Bänkern“ die Schuld an der sogenannten deutschen18 Krise. Dabei blendet er aus, dass diese „Krise“ eine globale ist und es wird klar, dass er – vor allem, da er sich des strukturell antisemitischen Klischees der „gierigen Bänker“ bedient – vollkommen ausblendet, dass das System Kapitalismus das Problem ist und nicht Einzelpersonen!
Offensichtlich aus Minderwertigkeitskomplexen heraus glaubt er daran, dass nur Personen aus den USA (Neben Deutschland und den USA gibt es aber echt noch genug beschissene staatliche Konstrukte, die er kritisieren könnte.) etwas Böses machen und fragt: „Warum stopfen wir den unverschämten Cowboys nicht das Maul, und wie als Bestätigung für seinen deutsch-nationalen Minderwertigkeitskomplex schiebt er hinterher: denkt ihr wir sind blöd, denkt ihr wir sind dumm“19 weiter schrieb Naidoo: „Osama wacht morgens ohne Bart auf und reckt sich Cowboys rufen an und sagen alles ist cool, alles läuft nach Plan, keiner wird etwas erfahren“20.
Zu allerletzt noch eine weitere Form der problematischen Weltauffassung Xavier Naidoos: Die Welt als „Babylon-System“ anzusehen. Der Begriff kommt aus der Rastafaribewegung und meint, angelehnt an das laut dem alten Testament von Gott zerstörte Babylon, die westliche Zivilisation. Diese wird für alles Übel der Welt verantwortlich gemacht. Daraus folgt, dass „das Reich Gottes“ erst kommt, wenn das „Babylon-System“ zerstört wurde. Der Begriff findet sich in Textzeilen wie: „wenn Babylon fällt. Mehr und mehr wird ihnen Macht entweichen“21 oder bei sexistisch konnotierten Abwertungen wie „Hure Babylon“22 Unserer Meinung nach sind die Zustände und die Art und Weise, wie in den europäischen und nordamerikanischen Breitengraden gelebt wird auf keinen Fall verteidigenswert. Im Gegensatz zu Personen, die von einem „Babylon-System“ ausgehen, glauben wir nicht an eine (Welt)Macht, die alles steuert, lenkt und/oder manipuliert. Sondern lehnen diese Form von strukturell-antisemitischen Verschwörungstheorien aus o.g. Grund ab.
Dieser Weg wird kein leichter sein – Fundamentalismus entgegentreten!

projekt.il
projekt.il@riseup.net

1 Ganz Salzburg bzw. die (weitere) Umgebung ist voll mit Werbeplakaten.
2 www.xaviernaidoo.de/about
3 Als Beispiel sei hier ein frei-kirchlicher Spinner genannt, der Xavier Naidoo während einer Predigt als den „besten
Wanderprediger unserer Zeit“ bezeichnete.
4 Der Text um den es im folgenden Absatz geht, wird von uns weder zitiert noch verlinkt, da er eine widerliche und fragwürdige Genauigkeit aufweist – deswegen enorm triggernd sein kann – und eine abstrakte Erklärung schon als eine Zumutung erscheint.
5 Da der Großteil an sexualisierten Gewalt und sexualisierten Übergriffen von Männern* ausgeht, sprechen wir hier nur von männlich sozialisierten Personen, um die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht zu verschleiern.
6 Patriarchat meint die (soziale) Erhöhung von Männern* gegenüber Frauen* im Bezug auf Privilegien.
7 51% aller Österreicher_innen stimmen ihm da sicher zu.
Siehe: derstandard.at/1244460578904/Wertestudi…
8 Selbst beim Denunzieren bleibt er patriarchal.
9 Auch diese wird nicht zitiert oder verlinkt, da der thematisierte Text (siehe Fußnote 4) dort veröffentlicht ist und wir auch die Rechtfertigung als Zumutung ansehen.
10 Aus: Das hat die Welt noch nicht gesehen, Xavier Naidoo
11 Siehe; Alles kann besser werden, Xavier Naidoo
12 Aus: Das hat die Welt noch nicht gesehen, Xavier Naidoo
13 Struktureller Antisemitismus meint keinen direkten Antisemitismus, sondern Ideologien/Ansichten, die Antisemtismus (argumentativ) ähneln.
14 Antisemitismus ist – sehr kurz gesagt – der Hass auf Jüdinnen_Juden bzw. deren Dämonisierung.
15 Antiamerikanismus meint, kurz gesagt, die Dämonisierung der USA als Ursprung und Schauplatz allen Bösen.
16 Ca. 500.000 Österreicher_innen müssen nach Schätzungen 2012 ihre Waffen registrieren lassen.
(kurier.at/politik/500-000-oesterreicher…
17 2011 gab es fast 5000 gerichtliche Urteile wegen Straftaten mit Waffengebrauch.
www.bmi.gv.at/cms/BMI_Service/SB_2011/K…
18 Für ihn scheint nur die Krise in Deutschland schlimm zu sein.
19 Aus: Aufklärungsarbeit, Xavier Naidoo
20 Aus: Aufklärungsarbeit, Xavier Naidoo
21 Aus: Volle Kraft voraus, Xavier Naidoo
22 Aus: Babylon System, Xavier Naidoo

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