Nicht schon wieder!!! Das Chiemsee Reggae Summer als homophober, trans*phober und sexistischer Sumpf

Trigger- & Contentwarning: Homophobie, Trans*phobie, Sexismus, R*pe Culture

Die CPR-Konzertagentur GmbH kann es nicht lassen. Auch dieses Jahr engagieren sie für das Chiemsee Reggae Summer 2013 wieder problematische Acts, die Homophobie1, Trans*phobie2 und Sexismus propagieren und vertreten.

Somit setzen die Veranstalter_innen den Trend der letzten Jahre fort. Die Liste der engagierten Acts liest sich wie das „who is who“ der homophoben Dancehall bzw. Reggae-Szene: Beenie Man, TOK, Sizzla, Buju Banton und dieses Jahr Elephant Man. Alle zeichnen sich dadurch aus, dass sie zu Pogromen, Hass und Morden an Homosexuellen aufrufen.

In die Reihe dieser Arschlöcher reiht sich auch ein Weiterer: der diesjähriger Headliner Cro. Fast alle seine Texte spiegeln bzw. verherrlichen eine patriarchale Weltanschauung. Frauen* werden prinzipiell, z.B. in Easy5, zu reinen Objekten reduziert und weil das noch nicht widerlich genug ist, ruft
Cro in diesem Lied auch zum Mord(!!!) an Frauen* auf. Homophob und trans*phob ist er natürlich auch noch. Exemplarisch hierfür stehen die Texte von Dreh auf6 und Kein Entkommen7.

Ganz in der üblichen sexistischen und homophoben Manie des christlich-fundamentalistischen Rastafaritums ist Elephant Man (eigentlich O’Neil Bryant) durch Lyrics wie die in Log On8, A nuh fi wie fault9, Girls Callin’, Give har it good10 und Weh nuh like gay11 aktiv daran beteiligt Sexismus und Homophobie weiter zu verbreiten und als etabliertes Weltbild zu stärken.

Er hat zwar 2007 den so genannten Reggae Compassionate Act (RCA) unterzeichnet, welcher aussagt, dass sich alle unterzeichnenden Personen von ihren homophoben Texten distanzieren. Allerdings verlieren dieser und ähnliche Verträge an Glaubwürdigkeit, da ein Großteil der Unterzeichnenden danach wieder durch homophobe Äußerungen und Relativierung bis zur Distanzierung vom RCA auffielen.

Sexismus und sexualisierte Gewalt werden aber nicht nur auf der Bühne ermöglicht, sondern bestimmen den Gesamtcharakter des Festivals. Durch eben das Engagement von Acts, die wie Cro und Elephant Man Frauen* prinzipiell herabwürdigend als „Bitch“, „Schlampe“ oder ähnliches bezeichnen und als reine (Sex)Objekte denunzieren, wird diese Atmosphäre noch verstärkt. Denn wer handelt nicht gerne, wie es die Vorbilder vorschlagen/vorleben?

So werden die Fälle von sexueller Belästigung, unerwünschten Berührungen und Annäherungsversuchen oder demütigenden, obszönen Sprüchen verstärkt und noch leichter möglich bzw. wird desensibilisiert und Übergriffe werden als Normalzustand angesehen. Dies wird in keinster Weise bekämpft, und so verwundert es nicht, dass fast jedes Jahr Vergewaltigungen registriert werden. Allerdings dürfte die wirkliche Anzahl weit höher liegen, da es Betroffenen prinzipiell erschwert wird, die Täter12 anzuzeigen.

Doch die meisten Personen stört das alles in keinster Weise. So ist die Firma Beck’s seit Jahren eine Vertragspartnerin des CRS und letztes Jahr hat sogar das ZDF live vom Festival übertragen. Auch diese Jahr trägt zumindest Beck’s das Festival wieder mit. Auf unsere Aufforderung, die Geschäftsbeziehungen mit der CPR-Konzertagentur solange zu unterbrechen, bis diese den Scheißzustand bereinigt hat, antwortete Beck’s mit einem völlig nichtssagend Schreiben, vermutlich sogar einem Serienbrief. Dieser beweist, dass der Firma scheißegal ist, was genau auf diesem Festival passiert, da sie sich gegen oben genannte Scheiße ausspricht, diese aber auf dem CRS angeblich nicht wahrnimmt?!?!? Als wären die oben genannten Beispiele nicht genug?

Neben Firmen oder Fernsehsendern drücken sich auch Acts darum, sich der ganzen Scheiße entgegenzustellen und ihren Auftritt abzusagen oder den Vertrag außer Kraft zu setzen, um Druck auf die Veranstalter_innen des CRS auszuüben. Auf unsere Aufforderung, die Geschäftsbeziehungen mit den Veranstalter_innen zu beenden, antworteten weder Die Toten Hosen, welche sich ihre diesjährigen bayerischen Auftritte von der A.M.O.K.-Konzertagentur (einer von zwei Firmen hinter der CPR-Konzertagentur) organisieren lassen, noch die Ärzte. Die spielen auf der Vorveranstaltung des CRS, Chiemsee Rocks, als Hauptact. Dass ein Boykott durchaus möglich ist, zeigte Frittenbude 201113.

Wir lassen uns diesen widerlichen Normalzustand und das konsequente Wegschauen nicht länger bieten!

Auch dieses Jahr werden wir aktiv gegen diese sexistische und homophobe Scheiße vorgehen!

Wir rufen alle dazu auf, sich aktiv zu beteiligen. So kannst du z.B. eine E-Mail oder einen Brief an CPR, Beck’s oder die auftretenden Personen schicken bzw. poste etwas auf ihre Facebookseiten (Vorlagen hierfür findet ihr hier)

Smash Homophia! Fight Sexism! Destroy Trans*phobia!

1Homophobie meint Ausgrenzung, Beleidigungen, Hass, Angriffe aller Art, denen Homosexuelle ausgesetzt sind.

2Trans*phobie meint Ausgrenzung, Beleidigungen, Hass, Angriffe aller Art, denen Trans*Personen ausgesetzt sind.

5„Ich chill im Bett mit ner Chick die sieht aus wie die Sis von Beyounce, doch eigentlich geb ich nen Fick auf Frauen“ oder „Und wenn sie heiraten will und nach drei Tagen chilln schon dein ganzes Haus und deinen Leihwagen will – erschieß sie“

6„Die meisten deutschen Rapper fühlen sich einfach zu cool, aber hinter der Fassade sind die meisten nur schwul.“

7„Wenn ich so Tunten wie dich seh’, dann wird es ungemütlich – geh zur Apotheke und besorg dir für die Wunden Bepanthene.“

8“Genieß unseren Tanz und verbrenn einen Schwulen. Tritt auf ihm rum wie auf alten Kleidern. Genieß unseren Tanz und zertrete einen Schwulen.”

9„Homosexuelle müssen sterben […] gebt mir die Maschinenpistole, erschießt sie wie Vögel“

10In Give har it good und Girsl Callin’. werden Frauen als Objekte dargestellt, die nur für Männer und deren Befriedigung zuständig sind.

11„Wir mögen keine Schwulen, verbrenne sie, erschieße sie, ergreife sie und ziehe ihnen ihre Fingernägel heraus“

12Um die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht zu verschleiern wird von Tätern gesprochen, da sexualisierte Gewalt hauptsächlich nur von Männern* ausgeht.

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