Lichterkette der fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen überstrahlt von Pro-Choice-Kundgebung

Alle Jahre wieder

Lichterketten sind im Advent das Mittel der Wahl, um Konsumgüter oder christliche Ideologie(fragmente) ins rechte Licht zu rücken. So auch bei den organisierten AbtreibungsgegnerInnen um Jugend für das Leben, Human Life International (HLI) und Co. Mindestens seit 2008 erscheinen diese jedes Jahr im Dezember vor dem Landeskrankenhaus Salzburg zu einer „Mahnwache“ mit Fackeln, bzw. neuerdings Grabkerzen. Seit 2009 müssen die ultra-religiösen FundamentalistInnen ihren Spuk im Schatten von Pro-Choice-Kundgebungen abhalten.

Pro Choice is ois!

Pro Choice is ois!

Am 6. Dezember 2014 standen knapp über 40 Pro-Choice-Aktivist_innen ca. 50 AbtreibungsgegnerInnen und in etwa der gleichen Anzahl Bullen gegenüber. Die Mehrheit davon gehörte zur Einsatzeinheit und hatte in Riotcop-Manier neben Pfefferspray und Schlagstock sogar ihre Helme dabei. Die Pro-Choice-Kundgebung startete um 16 Uhr, eine halbe Stunde später tauchten dann auch die ersten AbtreibungsgegnerInnen auf. Die (pro-)feministischen Aktivist_innen besetzten den Platz direkt vor dem Krankenhaus, während die Gegenseite etwas abseits auf dem Gehsteig stand. Es schien, als hätte etwas die Fundis daran gehindert, sich auf dem Gehsteig richtig auszubreiten; sie wollten wohl nicht auf die dort mit Straßenkreide aufgebrachten Pentagramme und Parolen steigen.

Mit Transparenten, Schildern, Redebeiträgen, Musik und lautstarken Darbietungen aus dem „Anarchafeministischen Gebetsbuch“ war die Pro-Choice-Kundgebung weder zu übersehen, noch zu überhören, die der AbtreibungsgegnerInnen jedoch schon. Bereits aus ein paar Metern Entfernung waren die Wortspenden aus dem Megaphon von Carina Broucek (Jugend für das Leben) beim besten Willen nicht zu vernehmen. Auf Transparente sowie auf ihre Trompeteneinlage verzichteten sie dieses Jahr glücklicherweise. Schon nach etwa 30 Minuten zogen die AbtreibungsgegnerInnen in Begleitung der Bullen zur Franziskanerkirche in der Altstadt ab.

Ist da jemand?

Als OrganisatorInnen der „Lichterkette“ trat Jugend für das Leben auf, personell vertreten war auch HLI Salzburg. Die Christenpartei Österreich ist heuer im Gegensatz zu vergangenen Jahren nicht erkennbar aufgetreten. Der Obermacker vom Lebenszentrum Salzburg und Europakoordinator von HLI, Joannes Bucher, wurde diesmal ebenfalls nicht gesichtet. Weihbischof Andreas Laun kam zu spät, stand abseits und verlor beim Abmarsch der „Lebensschützer“ den Anschluss. Die zwei Trommler schafften es auch nicht mehr rechtzeitig zur „Mahnwache.“

Eine Einschätzung

Es kann als Erfolg der hartnäckigen Pro-Choice-Organisierung in Salzburg gewertet werden, dass die AbtreibungsgegnerInnen nicht mehr, wie in vergangenen Jahren, mehrere Stunden mit ihrer Propaganda vor dem Krankenhaus präsent waren, sondern nur noch 30 Minuten. Die „Mahnwache“ ist für sie als Aktionsform dank der Pro-Choice-Proteste offensichtlich nicht mehr attraktiv. Die (pro-)feministischen Proteste zwingen sie zur Reaktion: seit 2012 ziehen sie im Anschluss an die immer kürzeren „Mahnwachen“ in eine Kirche in der Altstadt.

Ist da jemand?

Ist da jemand? Die (diesmal eher schlecht) organisierten AbtreibungsgegnerInnen an der Salzach auf dem Weg zur Franziskanerkirche. Nicht im Bild: mehrere Bullenwannen in der Müllner Hauptstraße und das Rudel Bullen vor dem Marsch.

Von Pro-Choice-Seite aus negativ zu bewerten ist daran, dass sie durch den anschließenden Marsch weiter in der Stadt präsent sind. Auch heuer verteilten die AbtreibungsgegnerInnen Sackerl mit Propagandamaterial, und die Trommler kamen auf dem Weg zur Kirche doch noch zum Einsatz. Abgesehen davon überwiegen dieses Jahr die positiven Aspekte: es war für die meisten Passant_innen wohl schwer ersichtlich, was der Zweck dieses Spaziergangs von Grabkerzentragenden unter erheblicher Polizeibegleitung sein sollte.

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