Aufruf zur antifaschistischen Demo in Braunau am 18. 4. 2015

Eins, zwei, drei . . .
Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all‘, auch dieses Jahr zum Gruselball. Alle Jahre wieder, dieses Mal am 18. April, findet die obligatorische Antifa-Demo anlässlich des Hitler-Geburtstages statt. Deshalb als erstes eine Warnung: es handelt sich um keine spektakuläre Demo mit eigenem Lauti, Rechtshilfe/Ermitlungsausschuß, etc., nein mit etwas Glück werden wir vom Lauti aus noch als Krawallmacher_innen und Chaot_innen beschimpft und die Demo-Orga versucht die Demo weitergehen zu lassen wenn es zu Bullenübergriffen wegen Verwaltungsübertretungen kommt. Und zu allem Überfluss steht die Scheiß-Stadt auch noch wenn wir wieder abreisen.

Braunau ist eine typische österreichische Kleinstadt im Hinterland mit den handelsüblichen Aktvitäten der bürgerlichen und der extremen Rechten. Auf der einen Seite beispielsweise wurden im Vorfeld der letztjährigen Demo der Gedenkstein vor dem Hitlergeburtshaus beschmiert und die Stadt mit Naziaufklebern verunreinigt. Oder es wurde in Braunau und im angrenzenden bayrischen Simbach anlässlich des Todestages von Horst Wessel, einem 1930 durch antifaschistische Selbsthilfe zu Tode gekommenen SA-Sturmführers, durch das Anbringen von Holzkreuzen gedacht. Bereits 2013 kam es zu Heldengedenken in der Braunauer Stadtpfarkirche und am örtlichen Soldatenfriedhof durch Nazis des mittlerweile verbotenen „Freien Netz Süd“ und von, wie sie selber schreiben, „ostmärkischen“ Kameraden. Auf der anderen Seite fiel 2014 ein Braunauer Kaffehausbetreiber auf, der seinen Gäst_innen verbietet „ausländisch“ zu sprechen. Auf Nachfrage erklärte er, dass „Ausländer“ nicht willkommen seien, das wäre doch das Geheimnis seines Erfolges, deshalb wäre sein Lokal seit zehn Jahren gut besucht. Oder auch die Neverending Story rund um das Geburtshaus Adolf Hitlers, wo es laut Mietvertrag zwischen Innenministerium und Vermierterin warum auch immer zu keiner Nutzung im zeithistorischen Kontext, sprich kein Museum oder eine Mahnstätte, kommen darf. Seit Kurzem prüft das Innenministerium allerdings ob es möglich wäre die Vermierterin zu enteignen, was die Frage aufwirft warum bis jetzt weder die Stadt Braunau noch lokale linke Gruppen auf diese Idee gekommenen sind.

. . . macht den Feldweg frei!
Wir rufen trotz der oben bereits genannten Widrigkeiten für den 18. April 2015 zu einem antinationalen, interventionistischen Block als Gegenpol zum autoritär kommunistischen Fahnenmeer auf der antifaschistischen Demo in Braunau auf. Denn es ist nicht nur die Krise und der berühmt berüchtigte Sozialabbau der Menschen zu rassistischen Arschlöchern macht, sondern oft einfach auch Gewohnheit, Mitläufer_innentum, Herrenmenschentum, fehlende Entnazifizierung (sprich Folklore) … in einer der am meisten befriedeten und kapitalistischen erfolgreichsten Gegenden der Welt.

Es gibt kein ruhiges Hinterland!
Heimat im Herzen, Scheiße im Hirn!
Nie wieder Arbeit!
Staat, Nation, Kapital, Scheiße!
Und (aber nicht nur) für die Partei der Arbeit: Patriotismus ist Scheiße, so oder so!

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