Zum Walk 4 IDAHOT

Wir dokumentieren einen Aufruf vom flit*z Salzburg:

Liebe Mitstreiter_innen!

Vor kurzem hat die HOSI (Homosexuellen Initiative) Salzburg einen Aufruf zur Unterstützung des Walk 4 IDAHOT (International Day Against Homophobia and Transphobia) 2015 auf Facebook gepostet. Mit diesem Aufruf werden verschiedene Organisationen dazu aufgefordert, ihren Namen unter das diesjährige Programm setzen zu lassen. Eine Möglichkeit zur Mitgestaltung oder zur aktiven Beteiligung am Walk 4 IDAHOT wurde aber keiner der Organisationen angeboten. Zum ersten Planungstreffen hat die HOSI Salzburg nur SOHO (Sozialdemokratische Homosexuellenorganisation), Grüne Andersrum und die ÖH (Österreichische Hochschüler_innenschaft) eingeladen. Bei diesem Treffen wurde auch beschlossen, keine Redebeiträge von Organisationen anzunehmen, die nichts mit der SOHO oder den Grünen Andersrum zu tun haben, oder eine Vereinsstruktur aufweisen.

Vielleicht haben einige der angesprochenen Organisationen auch gar kein Interesse daran, den Walk mitzuorganisieren oder einen eigenen Redebeitrag zu halten. Aber nicht einmal die Möglichkeit zur Verfügung zu stellen, ist eine Unsichtbarmachung von all jenen Personen, die von Trans- oder Homophobie betroffen sind und täglich aktiv gegen Unterdrückung vorgehen. Warum dürfen diese Menschen nicht selbst über ihre Erfahrungen berichten? (und) Warum dürfen sie nicht mitbestimmen, wie Aktionen am Tag gegen Homo- und Transphobie gestaltet werden?

Das Team des geplanten Frauen*Lesben*Inter*Trans*-Zentrums Salzburg (flit*z) und der Infoladen Epizentrum wollten jeweils einen Redebeitrag halten, wurden jedoch abgewiesen. Stattdessen wurde den beiden Gruppen vorgeschlagen, die Veranstaltung mit ihrem Namen zu unterstützen (und eigene Flyer zu verteilen – das darf mensch aber eigentlich immer und überall).

Für diesen präventiven Ausschluss gab das Organisationsteam äußerst fragwürdige Begründungen an: Die Gruppen seien keine Vereine und/oder würden die Interessen von LGBTIQ-Personen nicht vertreten. Außerdem befürchtete das Organisationsteam eine zu hohe Anzahl an Redebeiträgen. Der Infoladen Epizentrum ist seit über zehn Jahren als Verein eingetragen, während das flit*z gerade auf eine Vereinsgründung hinarbeitet. Wessen Interessen eine Frauen*Lesben*Inter*Trans*-Organisation vertreten sollte, wenn nicht die von LBTIQ*-Personen, ist uns schleierhaft. Seit der Schließung des Frauenkulturzentrums im Jahre 1995 gibt es keine Räumlichkeiten mehr, die zur expliziten Nutzung für FLIT*-Personen zur Verfügung stehen. Der Bedarf hierfür ist jedoch weiterhin gegeben. Das flit*z-Team will diese Lücke schließen.
Und wer bestimmt eigentlich, wieviele Redebeiträge zu viel Inhalt zum Thema Trans- und Homophobie sind?
Außerdem befürchten die Veranstalter (!) zu radikale Inhalte.

Vermutlich glauben sie, dass dies auch eine Verschlechterung in ihrer Zusammenarbeit mit der Exekutive bedeuten würde, die sich von polizei-kritischen Wortmeldungen beleidigt fühlen könnte. Aber die Polizei verhält sich oft genug trans- und homophob. Und selbst, wenn dem nicht so wäre, gehen Polizist_innen häufig auf rassistische, sexistische und andere unterdrückerische Art gegen Personen vor. Dieser Zustand muss erkannt und kritisiert werden. Mit Institutionen, die andere unterdrücken, kann und darf es keine „gute Zusammenarbeit“ geben!

Bei einem weiteren Planungstreffen wurde (von der ÖH) darauf hingewiesen, dass das flit*z gerade Vereinsstrukturen anstrebt und versucht, Transphobie und Homophobie aktiv zu bekämpfen. Daraufhin wurde der Gruppe spontan doch noch ein Redebeitrag am Anfang des Walks zugestanden. Andere Gruppierungen bekamen diese Möglichkeit allerdings nicht. Davon abgesehen sind Zeitpunkt und Ort (Bahnhof) des Redebeitrags strategisch unvorteilhaft und durch die kurzfristige Zusage bliebe weniger Zeit zur Vorbereitung. Was wie ein Zugeständnis wirken soll, ist wohl eher ein Versuch, eine Gruppe zum Schweigen zu bringen, von der befürchtet wird, dass sie ansonsten die Veranstaltung stören könnte. Aber ganz ehrlich: Zu so einer Veranstaltung wollen wir gar keinen Beitrag mehr leisten!

Was will der Walk 4 IDAHOT eigentlich erreichen? Ist er eine Demonstration gegen Homophobie und Transphobie? Warum wird auf der Veranstaltung dann die meiste Zeit nur gefeiert und warum sind keine weiteren inhaltlichen Beiträge erwünscht? Wir finden Parties toll und sind auch gern Teil einer fröhlichen, inkludierenden und sich untereinander unterstützenden LGBTIQ*-Bewegung. Aber Homophobie und Transphobie existieren nach wie vor in der Gesellschaft und müssen angesprochen und aktiv bekämpft werden. Erst vergangenes Jahr wurde der Walk 4 IDAHO 2014 auf offener Straße beschimpft und mit Eiern beworfen! Wir wollen nicht nur feiern, wir wollen auch unsere Wut über Diskriminierung, Gewalt und Unterdrückung zum Ausdruck bringen! Stattdessen werden mehr Partei- als Regenbogenfahnen wehen, und die Parteien werden über ihre Erfolge schwärmen und weitere Verbesserungen versprechen, wenn sie gewählt würden. Besagte Verbesserungen bestehen zum großen Teil aus etwas mehr Toleranz und Chancengleichheit für weiße privilegierte Schwule und Lesben aus der Mittelschicht. Radikalere Forderungen sind unerwünscht. Das Thema Transphobie hat es bis jetzt nur in den Namen der Veranstaltung (IDAHO-T) geschafft, Intersex-Personen werden weiterhin (gänzlich) ignoriert.

Wir weigern uns, den Parteien die Themen Transphobie und Homophobie zu überlassen. Eine Veranstaltung, auf der die HOSI, die SPÖ und Die Grünen sich selbst feiern und jeder Person, die von Homo- oder Transphobie betroffen und nicht Teil einer der Parteien ist, den Mund verbieten, verdient keine Unterstützung.

Wir wollen nicht unsere Namen Veranstaltungen geben, an denen wir nicht mitorganisieren dürfen. Wir wollen nicht, dass eine Partei behauptet, unsere Interessen zu vertreten. Wir wollen nicht vertreten werden. Wir wollen selbst etwas unternehmen(:) gegen Transphobie, Homophobie und gegen jede andere Form der Unterdrückung!

Hiermit rufen wir dazu auf, den Walk 4 IDAHOT Salzburg zu boykottieren und stattdessen eigene Aktionen gegen Homophobie und Transphobie zu setzen! Organisiert Parties, Kiss-ins, Informationsstände, Flyer-Aktionen und alles, was euch sonst noch einfällt!

Mit kämpferischen Grüßen,
euer FLIT*Z-Team

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