Vortrag: Aus Kobanê nach Salzburg / 30. 5. 2015

Vor einigen Wochen kehrten zwei Redakteure des Rosenheimer Regionalmagazins muscovado aus Kobanê zurück. Mit im Gepäck haben sie außer Magen-Darm-Verstimmungen eine Menge spannender Eindrücke und politischer Einschätzungen. Und die werden sie am Samstag den 30. Mai 19:00 im Infoladen Salzburg (Lasserstraße 26) an die Öffentlichkeit bringen.

Näheres zur Kurdistan-Reise

Zehn Tage lang nahm einer der Redakteure an einer Delegationsreise des kurdischen Studierendenverbandes YXK teil. Im Mittelpunkt der Delegation stand der Widerstand der kurdischen Bevölkerung gegen den türkischen Staat. Es ging dabei auch um den Aufbau von radikaldemokratischen Strukturen wie Komitees und Stadtteilräten. Ein weiterer Schwerpunkt war die Frauen-Befreiung in einer traditionell sehr konservativen Gesellschaft.

Im Anschluss an die Delegationsreise machten sich zwei muscovado-Redakteure dann nach Suruç auf, in die letzte größere Stadt vor der syrischen Grenze. Dort halfen sie in einem der Flüchtlingscamps. In vielen der Camps werden derzeit die Zelte abgebaut, um sie über die Grenze nach Kobanê zu bringen. Denn viele der Flüchtlingsfamilien kehren in diesen Tagen in die Stadt zurück.

Auch die beiden Redakteure haben sich dazu aufgemacht, nach Kobanê zu gelangen, um sich selbst ein Bild vom dortigen Aufbau zu machen. Illegal überquerten sie die Grenze nach Syrien, der legale Weg ist Europäer_innen ohne Sondererlaubnis derzeit verwehrt.

Hintergründe

Durch die Schwächung des Assad-Regimes im syrischen Bürgerkrieg und das Macht-Vakuum in Teilen des Landes hat es die kurdische Bewegung geschafft, sich einen Freiraum zu erkämpfen. Dieser Freiraum heißt Rojava, was zumeist als Westkurdistan übersetzt wird. Das Gebiet umfasst derzeit neben dem Kanton Kobanê noch zwei weitere Kantone im Norden Syriens, in denen sich die zumeist kurdische Bevölkerung mittels Komitees und Volksräten basisdemokratisch selbst verwaltet.

Es geht dabei schon lange nicht mehr um Ethnie oder einen Nationalstaat. Im Gegenteil: Die kurdische Befreiungsbewegung sieht sich selbst kosmopolitisch: „Wir kämpfen hier für die Menschheit, nicht nur für uns Kurden“, diesen Satz hört man immer wieder. Und vom Nationalstaat als Utopie hat sich die Bewegung ohnehin seit langem gelöst, angestrebt wird ein dezentrales, kommunalistisches System, in dem die Entscheidungen über politische und ökonomische Prozesse von der Basis getroffen werden.

In Rojava wird inmitten von Zerstörung, umgeben von Diktaturen, Fanatismus und Chaos eine neue Gesellschaft geschaffen, die Modell steht für einen friedlichen und demokratischen Nahen Osten. Wie dieses Modell aussehen könnte, auch darum wird es bei der Veranstaltung gehen.

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