Kundgebung gegen Rassismus und sexualisierte Gewalt

Wir teilen einen Aufruf vom flit*z Salzburg:

Aufruf zur Kundgebung am Mi, 3. 2. 2016 um 18 am Platzl

Seit Jahrtausenden leben wir in einem Patriarchat und damit in einer Gesellschaft, die  gewaltförmig strukturiert ist. Sexualisierte Gewalt wird hauptsächlich von Männern* gegen Frauen*Lesben*Inter*Trans*-Personen ausgeübt. Mit dem Aufkommen feministischer Bewegungen wird diese benannt, skandalisiert und bekämpft. Dafür  werden Feministinnen* ständig vom sexistischen Mainstream angegriffen. Deutlich zu sehen ist dies an dem Beispiel der Kampagne #aufschrei, die konkrete Fälle sexualisierter  Gewalt aus Betroffenensicht öffentlich macht. Die Reaktionen reichten von  Verharmlosung, der Lüge bezichtigen bis hin zu Bedrohungen. Studien zeigen, dass 95% der Fälle von sexualisierter Gewalt nicht angezeigt werden. Von den angezeigten Taten  sind die Täter zu 90% aus dem sozialen Umfeld (1/3 aus dem familiären Umfeld) der Betroffenen. Wird sexualisierte Gewalt angezeigt, müssen die Betroffenen damit rechnen,  dass ihnen nicht geglaubt wird – sowohl vom Umfeld als auch der Polizei – und dass die  Anzeige in einer jahrelangen Warteschleife verstaubt und dass die jahrelangen Verfahren mit einem Freispruch für Täter enden. Dass die Bullen schon eine Woche nach den  Vorfällen von Köln stolz Täter präsentieren liegt nicht daran, dass sie plötzlich ein  Interesse an effektiven Einschreiten gegen sexualisierte Gewalt hätten, sondern an rassistischen Zuschreibungen. Der Fokus auf die mutmaßliche Herkunft und Religion der  Täter verschiebt die Aufmerksamkeit weg von dem, was eigentlich wichtig ist: die  Betroffenen und deren Bedürfnisse.

„Rape Culture meint eine Gesellschaft, in der sexualisierte Gewalt in hohem Maße  vorkommt, Medien, Kultur, Politik und Gesellschaft diese sexualisierte Gewalt aber  relativieren, dulden oder sogar befördern und den Betroffenen eine Mitschuld geben.“
(Analyse & Kritik 612)

Dazu gehören auch Vergewaltigungsmythen, die Tatsachen verzerren und ein Bild vom Vergewaltiger als unbekanntem Fremden, der im öffentlichen Raum Frauen* auflauert, suggerieren. Dadurch wird ein spezielles Bild von Vergewaltigung manifestiert und macht alle anderen Vergewaltigungen, die nicht nach diesem Schema ablaufen, unsichtbar, verharmlost diese und tabuisiert das Sprechen darüber. Das große mediale Interesse an  den Fällen von Köln kommt unter anderem daher, dass diese in diese Vorstellung passen. Der mediale Diskurs nährt sich einerseits aus diesem Bild des unbekannten Täters und ist außerdem rassistisch aufgeladen.

Jetzt auf einmal interessieren sich der rechte Mob und die vermeintlich politische Mitte für Frauenrechte. Es kommt uns das kalte Kotzen, wenn wie am 9. Jänner 2016 beim extrem rechten Aufmarsch in Freilassing Faschisten Zettel mit der Aufschrift „Schützt unsere Frauen“ in die Kamera halten. Wer wird hier vor wem beschützt? Imaginierte Vorstellungen von Nation und einem homogen weiß zu haltendem Volk gehen einher mit einem Besitzanspruch über Frauen*. So schreibt ein nach eigenen
Angaben ehemaliger Stadtrat Freilassings auf Facebook: „Ihr werdet besetzt und eure  Frauen werden in Zukunft nicht mehr euch Deutschen gehören, sondern die Zuwanderer werden sie sich nehmen wie in Köln.“ Hier geht es offensichtlich nicht um Emanzipation und Frauen*rechte, sondern sexualisierte Gewalt wird für rassistische Zwecke  instrumentalisiert. Doch nicht nur auf Facebook, sondern auch in etablierten öffentlichen Medien findet rechte Ideologie seit Jahren zunehmend Eingang. Dadurch wird rassistisches, menschenverachtendes Gedankengut gesellschaftlich legitimiert.

Was in diesem Diskurs einhergehend mit der Konstruktion von den Betroffenen in Köln  als ausschließlich weiße Deutsche überhaupt nicht thematisiert wird, ist die Gewalt gegen Women* of Color. Als Women* of Color sind sie von rassistischer sexualisierter und  struktureller Gewalt durch weiße Männer betroffen. Weibliche Geflüchtete sind in Europa  massiv sexualisierter Gewalt von europäischem Sicherheitspersonal, Schlepper und von anderen Geflüchteten ausgesetzt. Dazu gibt es keinen medialen Aufschrei! Sexualisierte Übergriffe sind Alltagserfahrungen von jeder Frau*, ob of Color oder weiß, und werden genutzt um bereits vorhandene Rassismen zu befeuern!

Gegen Rassismus, gegen sexualisierte Gewalt! Immer, Überall! Kommt zur Kundgebung am Mi, 3. 2. 2016 um 18 am Platzl!

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