Vortrag am Fr, 9. 6. 2017: Arbeiter*innenbewegung in Indien

Dieser Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe zum G20 Gipfel. Mehr Infos findet ihr unter fight-g20.tk!

Als Britische Kronkolonie einst wirtschaftlich ruiniert, gehört Indien heute zu den Top-Ten auf der Liste der wirtschaftsstärksten Länder, noch vor dem G7-Staat Kanada. Diese neue Stellung unterstreicht der indische Staat auch durch massive Militarisierung: Gilt er doch als der wichtigste Waffenimporteur der jüngeren Vergangenheit weltweit.

Nach innen ist das Land durch tiefe soziale Verwerfungen gekennzeichnet: Das Kastenwesen begünstigt strukturelle soziale Benachteiligung, noch vor zehn Jahren galt fast jedes zweite Kind in Indien als mangelernährt. Die Lebensbedingungen auf dem Land sind mitunter katastrophal und von hoher Verschuldung geprägt, was tausende Bäuer*innen in den Selbstmord treibt. Eine massive Urbanisierung führt zugleich zur Verslumung der Großstädte.

150 Millionen Menschen beteiligten sich im September 2015 an einem eintägigen Generalstreik gegen die hindu-nationalistische Regierung Modis und ihre Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik. Gewerkschaften hatten sich zuvor erfolglos mit einer 12-Punkte-Charta an die Administration gewandt und Einschnitte der Koalitionsfreiheit, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und sinkende Löhne angeprangert. Am Jahrestag 2016 wurde abermals zum Generalstreik aufgerufen mit nochmals höherer Beteiligung – es könnte sich damit um den größten Streik der Menschheitsgeschichte gehandelt haben.

Klassenauseinandersetzungen werden in indischen Betrieben mit harten Bandagen geführt: Nachdem der Personalchef des Autozulieferers Pricol im Werk Coimbatore (Tamil Nadu) im Rahmen einer betrieblichen Auseinandersetzung getötet wurde, wurden zunächst acht Gewerkschafter*innen in einem Schauprozess zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Sechs von ihnen mussten im Februar 2017 letztinstanzlich wieder freigesprochen werden. Für die übrigen beiden dauert der Kampf an. Ebenso für die »Maruti 13«: In diesem Fall wurde der Vorstand der Maruti-Suzuki Betriebsgewerkschaft nach Ausschreitungen im Werk Manesar im Juli 2012 eingesperrt und zu lebenslanger Haft verurteilt – insgesamt waren 148 Arbeiter*innen zeitweilig inhaftiert und 500 entlassen worden.

Der Vortrag ist in englischer Sprache und wird übersetzt.

Rosenheim Do, 08.06.17 – 19.00 Uhr
Z – Linkes Zentrum in Selbstverwaltung – Innstraße 45a
Salzburg Fr, 09.06.17 – 19.00 Uhr
Infoladen – Lasserstraße 26
Wasserburg Sa, 10.06.17 – 19.30 Uhr
Kinowerkstatt – Kirchplatz 3
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