Bericht zum 1000-Kreuze-Marsch und Protesten (2017)

Worum gehts?

Ultra-religiöse, organisierte AbtreibungsgegnerInnen marschierten mit weißen Holzkreuzen durch die Salzburger Innenstadt – wie jedes Jahr um den 25. Juli. Inhalt ihrer Demonstration: Schwangerschaftsabbruch ist Mord / Frauen sollen dienen und gebären / Homosexualität ist eine Sünde / Jesus-Maria-und-Josef-heilig-heilig-etc.

Dagegen gab es Proteste: zuerst eine Pro-Choice-Demo, und dann wurde der 1000-Kreuze-Marsch durch (pro-)feministische Interventionen gestört.

 

Beschreibung der Pro-Choice-Demonstration:

Pro Choice heißt „für die Wahlfreiheit“. Ca. 70 Leute nahmen an der (pro-)feministischen Demo für den freien Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen teil. Da die Demo an einem Dienstag zu Mittag startete, war ein Teil der arbeitenden Massen wohl verhindert. Für diese Umstände war die Teilnehmer_innenzahl ganz gut. Angeführt wurde die Demo von einem antipatriarchalen Frauen-Lesben-Inter-Trans-Block. Die Route ging vom Salzburger Hauptbahnhof bis zum Platzl/Staatsbrücke. Zahlreiche Flyer wurden an Passant_innen verteilt. Ein wunderbares neues Lied aus dem Anarcha-Feministischen Gebetsbuch gelangte während der Demo zur Uraufführung. In drei Redebeiträgen vom Infoladen Salzburg, dem FLIT*Z Salzburg und FIDA wurden aus (queer)feministischer Sicht verschiedene Aspekte von Pro Choice und der Problematik organisierter AbtreibungsgegnerInnen beleuchtet.

 

Kurzbeschreibung der Pro-Choice-Demonstration:

Dynamisch und cool! Danke an alle, die dabei waren! ❤ ❤ ❤

 

Kurzbeschreibung des 1000-Kreuze-Marsches:

Kurze Route. In der Stadt nicht wirklich wahrnehmbar. Fürn Arsch. (Freut uns!)

 

Beschreibung des 1000-Kreuze-Marsches:

Diesmal wurden die Auswirkungen jahrelanger (pro-)feministischer Proteste und Auseinandersetzung ganz deutlich erkennbar. Und zwar anhand der stark verkürzten und geänderten Route, sowie an dem über den Haufen geworfenen Ablaufplan der AntifeministInnen.

Das hätten sie wohl gerne gemacht: vom zentralen Domplatz am Fluss bis zum Krankenhaus („Tötungsstätte“), dort Zwischenkundgebung, wieder zurück ins Zentrum, und vor den Augen zahlloser frommer Umstehender an der zentralen Staatsbrücke ihre zynische, frauenverachtende Abschlusszeremonie durchführen. Distanz: ca. 3,4 km. Dauer: eine gefühlte Ewigkeit.

Tatsächlich mussten sie sich die ca. 70 TeilnehmerInnen mit weniger begnügen. Distanz: ca. 0,9 km. Vom Mozartplatz am Rand der Altstadt leiteten sie die Bullen zu einer Autobrücke außerhalb der Altstadt (Karolinenbrücke). Dort warfen die Fußtruppen des Klerikalfaschismus unter starken Windböen und fernab von potenziellen Zuseher_innen Blumen in den Fluss, der durch die Regenfälle der letzten Tage zu einer braunen Brühe angeschwollen war. Einige der Blumen wurden von einem Ausflugsschiff überfahren. (Kurzbeschreibung der Zeremonie: Stimmungsvoll.) Entschlossene Pro-Choice-Aktivist_innen hatten den rechten Marsch eingeholt, nachdem sie zuvor von den Bullen abgedrängt worden waren. Jetzt riefen sie feministische und gotteslästerliche Parolen wie „Kein Gott – Kein Staat – Kein Patriarchat!“ Irgendwann kam den religiösen FundamentalistInnen auf mysteriöse Weise ein Kreuz abhanden. Nach dieser Blamage ging es für die AntifeministInnen zurück an den Start. Dazwischen wurden sie noch von einer kleinen, aber feinen Blockade aufgehalten. Diese zeigte sich sangesfreudig und gab Pro-Choice-Evergreens wie „Gottes Zellhaufenschutzverband, ihr seids bei uns im Oasch daham“ zum Besten. Der 1000-Kreuze-Marsch musste umgeleitet werden. Sobald der Bullenkessel um die Blockade aufgelöst war, machte sich selbige als Spontandemonstration auf den Weg zur Abschlusskundgebung der AntifeministInnen. Dort schütze ein relativ großes Aufgebot an Bullen das traurige Ende des 1000-Kreuze-Marsches. Drei Feministinnen wurden kurzzeitig festgenommen. Vorwurf: Betreten der Straße als Fußgängerin (in einer Fußgänger_innenzone!) Tatsächlicher Grund: hartnäckiger und lautstarker Protest.

 

Fazit:

Mit den langjährigen Protesten gegen die 1000-Kreuze-Märsche konnte der Komplex Schwangerschaftsabbruch/reproduktive Rechte/Bevölkerungspolitik in Salzburg als ein zentrales Thema der radikalen Linken etabliert werden. Die organisierten AbtreibungsgegnerInnen um Human Life International und EuroProLife konnten sich nicht weiter im öffentlichen Raum ausbreiten. Im Gegenteil: sie sind nun weniger sichtbar und weniger präsent. Es gab zwar zahlreiche Rückschläge, Festnahmen, Geldstrafen, u.a. unerfreuliche Ereignisse im Zuge der Pro-Choice-Proteste. Noch ist es auch nicht gelungen, eine breitere Öffentlichkeit an Betroffenen (Frauen) außerhalb der radikalen Linken zu mobilisieren. Während wir den 1000-Kreuze-Marsch zurückdrängen konnten, breitet sich anderswo in Salzburg der Rechtskatholizismus im hippen Gewand aus (Stichwort Pfingstfestival). Und Schwangerschaftsabbruch steht noch immer im Strafgesetzbuch. Es gibt also viel zu tun! Bleiben wir hartnäckig.

 

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