Die Klinika in Prag wird geräumt [11.1.19]

Von de.indymedia.org:

Freitag, 11. Jänner 2019, 11h.

Die Räumung des Autonomen Zentrums Klinika in Prag war für Donnerstag, 10. Jänner, angesetzt. Allerdings war das Ganze am Freitag, 11. Jänner, noch nicht vorbei, und die Klinika (ehem. Lungenklinik) atmete noch. Freitag Vormittag besetzten einige Leute noch immer eine Plattform auf dem Dach.

Wir haben vor Ort mit einem Aktivisten gesprochen:

 [English version below]

 

 

Der Kontext:

 

Die Strategie der Behörden in Bezug auf diese Räumung unterscheidet sich von vorherigen Räumungen in Prag. Üblicherweise führen die Bullen die Räumung durch. Diesmal wurde ein Gerichtsvollzieher („exekutor“) geschickt, und eine private Security-Firma, die ihr Personal aus Fascho-Hooligans zu rekrutieren scheint, setzt sie durch.

 

Das Gelände ist im Besitz der Staatlichen Eisenbahnverwaltungsagentur (SŽDC). In den vorhergehenden Verhandlungen, zeigte sich die SŽDC zunächst kooperativ und äußerten die Bereitschaft, das Gelände dem Kollektiv zur weiteren Nutzung zu überlassen, sofern die Stadtverwaltung ihre Zustimmung gibt. Diese allerdings stellte die Kommunikation im Dezember 2018 ein.

 

Vor der Räumung hatte die Stadtverwaltung ihre Befürchtungen geäußert, dass der Widerstand der Klinika gegen die Räumung durch einen Gerichtsvollzieher überschwappen und auch andere Menschen dazu inspirieren könnte, sich ebenfalls zu wehren. Schließlich sind viele Leute von Zwangsräumungen und Konfiszierung ihrer persönlichen Sachen durch Gerichtsvollzieher betroffen, was die Klinika-Räumung mit breiteren sozialen Kämpfen verbindet.

 

Die Räumung im Jänner unterscheidet sich auch von vorherigen Situationen, in denen die Klinika geräumt und umgehend wiederbesetzt wurde, da ihr ein negatives Gerichtsurteil vorangeht. Angesichts des Ernstes der Lage brachten Aktivist_innen den Großteil der Einrichtung im Vorhinein aus dem Gebäude, damit sie nicht vom Gerichtsvollzieher konfisziert werden kann und die Leute Gebühren zahlen müssen, um ihre Sachen wieder zu bekommen.

 

Vor diesem Hintergrund entschlossen sich die Besetzer_innen taktisch zu einem Aktionskonsens des „gewaltfreien und passiven Widerstands“ gegen die Räumung.

 

Die Nacht vor dem angesetzten Räumungstermin am Donnerstag, 10. Jänner, 10 Uhr, verbrachten viele Leute in der Klinika. Besetzer_innen und Unterstützer_innen versammelten sich Donnerstag Früh um 9h zu einem Frühstück im Haus. Um 10h tauchte der Gerichtsvollzieher auf, begleitet von Security-Typen und Bullen. Die Strategie für Donnerstag war mit einer kritischen Masse an Leuten im Haus zu bleiben, was gut funktionierte.

 

Nachdem der Gerichtsvollzieher das Gebäude betreten hatte, drangen die Schlägertypen von der Security-Firma ebenfalls ein und okkupierten die Hälfte des Hauses. Sie verbarrikadierten die Fenster in diesem Teil und schweißten den Hinterausgang zu. In der anderen Hälfte des Hauses waren immer noch Leute präsent. Am Donnerstag Nachmittag wurde die Räumung auf den folgenden Morgen verschoben, was ein kleiner Erfolg für die Besetzer_innen ist.

 

Seit früh am Donnerstag befinden sich einige Aktivist_innen auf einer Plattform auf dem Dach der Klinika und verteidigen den Raum mit ihrer Präsenz. Während sie dort sind, kann die Räumung nicht abgeschlossen werden. Am Freitagmittag waren diese unpackbar coolen und entschlossenen Leute noch immer bei Minusgraden da oben, geschützt nur von ein paar Plastikplanen.

 

Am Donnerstag Nachmittag wurde etwas abseits eine Person von ziemlich aggro auftretenden vermummten Zivi-Cops wegen eines abgelaufenen Passes festgenommen und einige Stunden später wieder freigelassen. Einer der Zivi-Cops trug ein bezeichnenderweise ein Thor-Steinar-Shirt.

 

Am Donnerstagabend verstärkten die Bullen ihre Präsenz in den Straßen um die Klinika. In der Nacht gab es ein Konzert mit Hip Hop und Hardcore-Acts, und die Securitys setzten im Haus Pfefferspray gegen die Leute ein. Um die 30 Leute verbrachten die Nacht in der Klinika.

 

Um 8h am Freitagmorgen blockierten die Secus den Haupteingang, so dass Genoss_innen sich nicht den Besetzer_innen anschließen konnten. Die Leute drinnen entschieden, dass es nicht klug wäre zu bleiben nachdem der Gerichtsvollzieher um ca. 10h erneut aufgetaucht war, denn das wäre als Straftat gewertet worden. 30 Leute, die deswegen einfahren, wäre eine übermäßige Belastung an Repression gewesen.

 

Nachdem die Leute raus kamen, gingen sie gemeinsam mit draußen wartenden Unterstützer_innen auf den Hügel hinter dem Gelände, um in Seh- und Hörweite der Leute auf dem Dach zu sein. Der nächste Schritt mit Stand Freitag, 11h, war von dort aus moralischen Support für die Aktivist_innen auf dem Dach zu zeigen. (Bei früheren Räumungen harrten Leute bis zu 7 Nächte auf dem Dach aus – im Winter.)

 

Als weitere Einschüchterungsmaßnahme drohte der Gerichtsvollzieher, dem Kollektiv die Kosten für die Zerstörung ihres Autonomen Sozialen Zentrums aufzubrummen. Dabei war die Rede von 4.000 bis 24.000 Euro.

 

Weitere Infos gibt’s auf https://klinika.451.cz/ und den Social-Media-Accounts der Klinika.

 

„They can evict us from this house, but they cannot evict our ideas.“ (Ein_e Aktivist_in in der Klinika ).

In Prag stehen 7000 Häuser leer.

 

Naší zbraní je solidarita!

Solidarität ist unsere Waffe!

 

ENGLISH:

 

Notes from the eviction of Klinika (Praha)

Friday, 11 January 2019, 11 a.m.

The eviction of the autonomous centre Klinika in Prague was announced to happen on Thursday, 10 January. Yet, on Friday, 11 January, it was still not over and Klinika was still breathing. There were still several people occupying a platform on the roof.

We talked to an activist at Klinika:

 

The context:

The strategy used by the authorities in the eviction of Klinika differs from previous evictions in Prague. Usually, it is the cops who carry out the eviction. This time, a bailiff („exekutor“) is in charge of the procedure, and a private security company that seems to recruit its personnel from the ranks of hooligans/fascists enforces it.

The building and the surrounding garden are owned by the State Railway Administration Agency (SŽDC). In the negotiation process preceding the eviction, SŽDC seemed cooperative at first, saying the collective could continue to use the premises if they managed to gain support at City Hall. There had been negotiations with City Hall as well; however, they stopped communicating with the collective in December 2018.

In advance of the eviction, City Hall expressed its fear that resistance against the bailiff-led eviction at Klinika would inspire other people to rebel, too. After all, many people are affected by bailiffs confiscating their personal belongings, which links the Klinika eviction with the larger-scale social struggles.

The January eviction is also different from previous situations where Klinika was evicted and then quickly reclaimed by activists since it comes after a court order. Activists were anticipating that these would be the final days of the squat. They removed most of the furniture in advance to prevent it from being confiscated by the executor, which means they would have had to pay a fee to get their stuff back.

Against this background, squatters tactically agreed on a consensus of „nonviolent and passive resistance“ against the eviction.

 

The eviction:

Originally, the eviction had been scheduled for Thursday, 10 January, 10 a.m. Many people spent the night from Wednesday to Thursday at Klinika. Squatters and supporters gathered for a breakfast inside the house at 9 a.m. At 10 a.m., the bailiff showed up, accompanied by private security guards and cops. The activist‘s strategy of resistance on Thursday was to stay inside the house with a critical mass of people, which worked out pretty well.

 

After the bailiff had entered the building, the thugs from the security company had invaded it too and got control of about half the house. The ’security‘ thugs barricaded the windows in the part of the house held by them and welded the backdoor shut. There were still people inside the other half, and numerous supporters outside. In the afternoon, the eviction was postponed to continue on the next day. This is a small victory for the squatters.

 

Since early on Thursday, there are several activists on a platform on the roof of Klinika, defending the space with their presence. While they are there, the eviction cannot be completed. These fucking amazing people were still there on Friday noon, protected only by plastic sheets at temperatures well below 0°C.

 

Am Donnerstag Nachmittag wurde etwas abseits eine Person von ziemlich aggro auftretenden vermummten Zivi-Cops wegen eines abgelaufenen Passes festgenommen und einige Stunden später wieder freigelassen. Einer der Zivi-Cops trug ein bezeichnenderweise ein Thor-Steinar-Shirt.

 

On Thursday afternoon, one person was detained by rather aggressive masked plain-clothes cops because of an expired passort. A few hours later, the person was released. One of the cops was wearing a Thor Steinar shirt.

 

On Thursday evening, the cops reinforced their presence in the streets around Klinika. That night, there was a hip hop and hardcore gig inside the house, and people were pepper-sprayed by security thugs inside the house. About 30 people spent the night at Klinika.

 

On Friday morning at 8 a.m., security thugs blocked the main entrance so comrades could not join to defend the house. The people inside decided it was not reasonable to stay after the bailiff returned this morning. Staying on the premises would have been considered a criminal act, and 30 people facing charges would have put an unreasonable strain on the community in terms of repression.

 

Together, the people who had spent the night inside and supporters waiting outside walked up the hill behind the premises, where the people on the roof could hear and see them. The next step as of Friday, 11 a.m. was to stay there and show moral support to the activists on the roof. (In previous eviction, people had stayed on the roof for up to 7 nights – in winter.)

 

In an attempt to put pressure on the collective, the bailiff threatened to charge them the cost of the destruction of their autonomous social centre, announcing costs of 4000 to 24000 Euros.

 

For updates and more information, visit https://klinika.451.cz/ or the Klinika social media accounts.

 

„They can evict us from this house, but they cannot evict our ideas.“ (One activist at Klinika).

There are 7000 empty houses in Prague.

 

Naší zbraní je solidarita!

Solidarity is our weapon!

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